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Corona-Demo in Berlin: protestiert, gestoppt, kritisiert

Tausende Menschen protestierten in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen. Dann brach die Polizei die Kundgebung ab. Die Stadtregierung und Bundespolitiker finden klare Worte für das Verhalten der Demonstranten.

Vertreter der Bundespolitik haben den Berliner Protest gegen staatliche Koronabeschränkungen mit klaren Worten kritisiert. „Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so“, schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter. Distanz, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten zum Schutz aller. Die Pandemie kann nur „mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist“ gemeistert werden.

SPD-Vorsitzende Saskia Esken bezeichnete das Verhalten der Demonstranten als unverantwortlich. „Tausende #covidians feiern sich in Berlin als ‚die zweite Welle‘, ohne Lücke, ohne Maske“, schrieb sie auf Twitter. „Sie gefährden nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Wiederbelebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft.“

„Ärgere mich ärgerlich“

Noch bevor der Protest gegen die Koronapolitik der Regierung begann, hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier strengere Strafen für Verstöße gegen die Koronaregeln gefordert. „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies schwerwiegende Folgen für sie hat“, sagte der CDU-Politiker beim Nachrichtenmagneten dpa.

Berlins Regierungsbürgermeister Michael Müller (SPD) kritisierte scharf die Teilnehmer der großen Demonstration gegen Koronamaßnahmen. Es ärgerte ihn unermesslich, dass Menschen aus anderen Teilen Deutschlands nach Berlin kamen, um ein Demonstrationsrecht auszuüben, das auf Hygieneregeln beruhte, die sie dann missachteten, sagte Müller in der rbb. Die Demonstranten würden die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen und die Gesundheit anderer Menschen gefährden. Müller zufolge hat er dafür kein Verständnis.

Die Polizei spricht von 20.000 Teilnehmern

Zehntausende Menschen – darunter Corona-Leugner, Verschwörungsideologen, Rechtseoteriker und Rechtsextremisten aus ganz Deutschland – waren mittags durch die Berliner Innenstadt gewandert. Nach Angaben der Polizei nahmen zu Spitzenzeiten bis zu 20.000 Teilnehmer am Aufzug teil. Die Organisatoren selbst sprachen von 1,3 Millionen Menschen. Das Motto war „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“. Der Zug fuhr vom Brandenburger Tor nach Unter den Linden und von der Leipziger Straße zur Straße des 17. Juni, wo eine weitere Kundgebung stattfand.

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Im Aufzug waren neben Flaggen der Friedensbewegung Flaggen des Deutschen Reiches und Symbole der Verschwörungsideologie der QAnon-Bewegung zu sehen. Aktivisten verteilten das rechte Compact-Magazin, andere Teilnehmer kämpften für Homöopathie, für die Verteidigung des Grundgesetzes und warnten vor der Notwendigkeit einer Impfung. Menschen mit Mund- und Nasenschutz sowie Journalisten wurden wiederholt von Demonstranten angegriffen.

3000 Demonstranten vor dem Reichstag

Während die Polizei während des einstündigen Umzugs zunächst nicht intervenierte oder laut Beobachtern an vielen Orten nicht anwesend war, wurde die spätere Kundgebung in der Nähe der Siegessäule kurz vor 17 Uhr von Rettungsdiensten unter lautem und aggressivem Protest beschlossen. Als Grund wurde angegeben, dass der Vorsitzende der Sitzung keine Distanz garantieren und keine Schutzmasken tragen konnte.

Die Polizei besetzte auch die Bühne. Mehrere Vertreter der Organisatoren wurden unter Protesten von Rallyeteilnehmern von der Bühne gebracht. Viele Teilnehmer wanderten dann aus oder wurden auf den Wiesen des angrenzenden Zoos verteilt. Am Sonntagmorgen sprach die Polizei auf Twitter über 18 verletzte Polizisten. Drei Polizisten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Infektionszahlen nehmen wieder zu

Verschiedene Initiativen und linke Gruppen hatten unter dem Motto „Abstand halten gegen die Rechte“ zu Protesten gegen den „rechten“ Aufzug aufgerufen, darunter auch die „Omas gegen die Rechte“. Einige hundert Menschen nahmen an den acht Gegendemonstrationen teil.

Seit Mitte Juli ist die Zahl der Coronavirus-Fälle in Deutschland wieder gestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekannt gab, meldeten die Gesundheitsbehörden innerhalb eines Tages 955 neue Koronainfektionen (Datenstatus am 1. August, Mitternacht). Dies ist die höchste gemeldete tägliche Anzahl von Fällen seit Anfang Mai – abgesehen vom lokalen Koronaausbruch beim Fleischhersteller Tönnies Mitte Juni.

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Am 1. August 2020 berichtete B5 um 19.31 Uhr im Radio und um 20.00 Uhr auf der Tagesschau über dieses Thema


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